Hallo!
Freier Tag! Sonnen-Tag! Beste Laune! Viel zu berichten:
Es hat sich was getan. Und gar nicht so wenig. So langsam fühle ich mich richtig angekommen. Ich bin einerseits hier in Saorsa nun voll integriert, andererseits nimmt mein Leben außerhalb der Arbeit mehr und mehr Gestalt an:
In der letzten Woche habe ich es nach einem knappen Monat endlich geschafft Geld abzuheben. Puuh! Das wurde auch Zeit! Dass ich eigentlich bisher ohne sehr gut klar gekommen bin habe ich zwei Dingen zu verdanken: 1. Meine Arbeit und die damit verbundene Wohngemeinschaft stellt schon fast alles zu Verfügung, was ich so brauche und 2. Mein lieber Bruder hatte mir vor meiner Abreise noch das ein oder andere Pfund mitgegeben, das er noch herumliegen hatte. Ersteres macht aber auch sehr abhängig und schränkt massiv ein, was Freizeitgestaltung angeht, da diese dadurch auf ein Minimum reduziert wird. Deshalb also das "Puuh!".
Was hat das für Folgen? Ich habe innerhalb der letzten Woche mal wieder Sprudel getrunken, auf den hier quasi durchweg verzichtet wird. Außerdem habe ich mir eine Mütze gekauft, die sehr warm hält und die ich mag und was das wichtigste ist: Ich habe jetzt endlich diese Gym-Mitgliedschaft, die ich die ganze Zeit haben wollte, weil man ja hier nicht Basketball spielt. Ich komme gerade vom zweiten Training und fühle mich gut. Ohne Sport fehlt einfach was und da ich weder ein Fahrrad habe, noch dieses Bergauf- Bergabgelaufe wirklich mag ist das schon ganz geil jetzt.
Achja, zum Thema keiner spielt Basketball: Ich habe dann, nachdem ich EINEN Basketballplatz gefunden hatte, auf dem man jedoch nur spielen darf, wenn man Schüler, Lehrer, Hausmeister oder Was-auch-immer der hiesigen High School ist, die ohnehin schon 25 Minuten zu Fuß entfernt ist, endlich noch einen gefunden. Er war eigentlich direkt vor meiner Nase. Zwei Minuten zu Fuß. Mein Kollege Tommy hat mich darauf hingewiesen, als ich mich beklagte, hier gebe es ja nichts. Naja. Da war ich dann also auch. Mit Carol aus meinem Ex-Haus. Stellt sich heraus, dass dort tatsächlich schon jemand spielt - also einer! Und ich dachte, "Das ist dann wohl DER andere, der in Schottland Basketball spielt, zumal er offensichtlich mit dem Auto zu dem doch recht mikrigen Ein-Korb-Streetball-Asphalt-Quadrat gekommen war. Doch während Carol und ich so ein paar Würfe verwarfen und er etliche traf, kamen wir ins Gespräch:
Er ist Pole, wohnt aber nun schon länger hier in Schottland, was für euch alle total egal ist (was ich selbstverständlich erst während des Schreibens gemerkt habe, was euch wahrscheinlich auch wieder vollkommen Schnuppe ist). Blablabla er spielt in einem Basketballteam, das ebenfalls direkt bei mir um die Ecke trainiert und ich soll doch mal vorbei schauen, wenn ich Zeit und Lust habe. Mach ich!
Aber da kommen wir zu einem Thema, dass ein wenig unglücklich ist für jeden, der hier als Assistant arbeitet: Arbeitszeiten. Und da geht es nicht darum, dass man 48 Stunden pro Woche hat, sondern darum, dass diese immer anders verteilt sind. Jede Woche neu. Und deshalb kann ich eben zum Beispiel nicht sagen, dass ich ab jetzt jeden Dienstag um 20 Uhr zum Basketball gehe, weil es eben gut sein kann, dass ich da noch n Stündchen oder zwei arbeiten muss.
Aber dann kommen wir wieder zu meinem großen Glück: Der Job hier macht einfach ungemein Spaß, ist absolut erfüllend und ereignisreich. Deshalb macht mir der gesamte vergangene Abschnitt verhältnismäßig wenig aus.
Meine ehemalige Lk-Lehrerin hat mich nach dem Lesen dieses Blogs gefragt, ob die denn hier wirklich so "verrückt" seien, oder ob das nur wegen des komischen Effektes so dargestellt sei. Die Antwort ist: Die sind so. Jeder einzelne core member ist so anders als jeder Mensch, den ich bis jetzt getroffen habe, so viel skurriler und dabei so liebenswert. Das ist einfach klasse.
Ja gut, dann nennt dich der Derek halt mal ein "Arschloch", weil er keinen Bock auf seine Übungen hat, dann ist das so. Am nächsten Tag nennt er dich doch wieder "Darling" und sagt "I love you!", bevor er ins Bett geht, besteht dabei allerdings darauf, er sei keinesfalls schwul!!! :D Wie soll man so einem Kerl denn böse sein, der eigentlich am liebsten den ganzen Tag nur Spaß hätte?! Richtig, es geht nicht!
Oder Fiona von Grianan macht den Assistants gerne mal Ärger, nur um Ärger gemacht zu haben. Aber wenn die lächelt, dann macht mich das irgendwie glücklich. Gut, bisher habe ich auch wenig Ärger mit ihr gehabt, da ich bisher noch nicht so viel für sie verantwortlich war. Aber dennoch...
Ach, noch ne nette Anekdote, dann überlasse ich euch wieder eurem kümmerlichen Dasein:
Ich war mit Lillias in der Stadt, weil wir für heute (Beckys Geburtstag) einkaufen gehen sollten. Als wir diesen Einkauf bei Tesco (der größten britischen Supermarktkette) hinter uns gebracht hatten, was ob meiner fehlenden Kenntnis und Lillias' Übereifers länger als erwartet gedauert hatte, zumal Lillias mich auch gerne jedem vorstellte, der gerade so uns vorbei lief, begaben wir uns in den Stadtkern um ein koffeinhaltiges Heißgetränk in einer Filiale einer bekannten amerikanischen Café-Kette, die übersetzt nicht "Sternenkäfer" heißt, zu schlürfen. Bei eben diesem Getränk zückt die gute Lillias auf einmal eine Tesco-Geschenkkarte im Wert von 20 Pfund mit den Worten "Guck mal! Hab ich mitgenommen!". Da hätte ich ihr aber beinahe meinen venti Cappuchino über den Rock geschüttet, so überrascht war ich. Als ich ihr sagte, dass sie ja nun nicht einfach so Dinge vom guten Herrn Tesco klauen könne, war sie mindestens genauso erstaunt: Sie war fest davon ausgegangen, dass das Wort "Gift-Card" heißt, dass es sich eben um ein Geschenk handelt.
Nun... dass das nicht der Fall ist, habe ich dann erklärt, wir haben die Karte zurück gebracht und sie hat sich den Rest des Tages entschuldigt. Aber das ist eine der Geschichten, die mir bis jetzt noch nie passiert sind, die mich aber immer wieder zum schmunzeln bringen. Auch im nachhinein.
Und irgendwie kann ich die nächste kaum erwarten...
Liebe Grüße,
euer Ben/Bene/Beni/Benedikt
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